Über die Ausstellung

Der Beruf des Kellners bzw. der Kellnerin mit all seinen Fassetten steht im Mittelpunkt der diesjährigen Sonderausstellung im Touriseum in Meran. Das Südtiroler Landesmuseum für Tourismus hat hierfür die Remise von Schloss Trauttmansdorff in einen Speisesaal verwandelt und verblüfft dabei mit einem völlig neuen Konzept: Dem Besucher wird die Ausstellung serviert!Servierfachkräfte stellen zentrale Figuren im Gastgewerbe und im Tourismus dar. Sie agieren als Gastgeber und sind für die Gästebetreuung zuständig. Dazu gehören Tätigkeiten wie Gäste begrüßen und platzieren, Speisekarten bringen, Empfehlungen aussprechen, Bestellungen entgegennehmen, Speisen und Getränke servieren – und dabei immer freundlich bleiben und nie den Überblick verlieren. Kellner und Kellnerin sind erste Ansprechpartner für ihre Gäste. Sie repräsentieren den Betrieb, das Gastgeberland und tragen letztlich enorm zur Genuss- sowie zur Benimmkultur bei.

Mit der Sonderausstellung „Sie wünschen? Desidera?’“ möchte das Südtiroler Landesmuseum für Tourismus seinen Besuchern Einblicke sowohl in die historische Entwicklung dieses Berufs als auch in die unterschiedlichen Lebenssituationen und Aufgaben der Bedienenden ermöglichen. Im Vordergrund steht in der Ausstellung der diffizile Umgang der Kellnerinnen und Kellner mit den Gästen, das Hauptaugenmerk besonders auf die Kommunikation zwischen Dienenden und Bedienten gerichtet. Hier knüpft die Ausstellung an, indem sie die Inhalte nicht wie so oft durch lange Texttafeln, sondern in der Form von Filmprojektionen vermittelt. Diese entstanden in Zusammenarbeit mit einem Team von „Miramonte-Film“ rund um den Regisseur Andreas Pichler. Die Filmtexte stammen aus der Feder von Josef Rohrer.

Die Besucher setzen sich an gedeckte Tafeln unterschiedlicher Betriebe und werden von sechs exemplarischen Kellnerinnen und Kellnern bedient. Dazu wurde die zweistöckige Remise von Schloss Trauttmansdorff in einen Speisesaal verwandelt. Serviert werden Geschichten aus dem Innenleben des Serviceberufs, garniert mit zahlreichen historischen Objekten. Eines der filmischen Menüs enthält etwa die Entwicklung der Rolle der Frau im Service. Die weiblichen Bedienenden kamen in der Vergangenheit immer wieder in Verruf und wurden nicht selten mit Prostituierten gleichgesetzt. Ein weiteres Thema der Ausstellung ist das Schauspielen, das mit dem Kellnerberuf unzertrennlich verbunden ist. Indem sie den Frack oder die Tracht überziehen, schlüpfen Kellnerinnen und Kellner in eine Rolle, hinter der sie verschwinden bis sie in manchen Fällen nur mehr eine Nummer sind. Über ihre Funktion als anonyme Dienende trösteten sich viele Kellner durch ihren Traum vom sozialen Aufstieg hinweg, der allerdings nur selten in Erfüllung ging.Auch von den Wurzeln des Kellnerberufs und seiner hierarchischen Ordnung erzählt die diesjährige Sonderausstellung im Touriseum, etwa am Beispiel der zahlreichen Diener am Bankettzeremoniell der italienischen Fürstenhöfe im 17. Jahrhundert. Außerdem wird das „Kellnerelend“ thematisiert, von dem der Beruf aufgrund langer Arbeitszeiten, geringem Lohn und hoher Mobilität gekennzeichnet war. Ein weiterer Inhalt der Ausstellung ist die Thematik des Trinkgeldes, das immer schon zu Unsicherheiten oder peinlichen Situationen führte.

Ein weiteres Thema ist die Ausbildung der Servierfachkräfte, die erst in der Ära der Grandhotels langsam aufgebaut wurde. In diesem Zusammenhang wird auch die Problematik des Berufsausstiegs beleuchtet, der in Südtirol 40 Prozent der jungen Servierfachkräfte betrifft. In den unterschiedlichen Themen der Ausstellung werden immer wieder verbreitete Stereotype und Klischees aufgezeigt. Unser Bild vom Kellner und von der Kellnerin ist vor allem durch deren Darstellung in Film, Werbung und Literatur geprägt, wofür die Ausstellung zahlreiche Beispiele bereithält.Neben den fiktiven Kellnern in den Filmprojektionen kommen in der Ausstellung aber auch echte Profis zu Wort. Es werden Filmausschnitte des Südtiroler Regisseurs Karl Prossliner gezeigt, der in den vergangenen 15 Jahren Interviews mit Kellnerinnen und Kellnern aus Meran, dem Vinschgau, dem Schnals- und dem Wipptal geführt hat. Dabei bekommen die Besucher einen Einblick in die Lebenssituationen der Bedienenden verschiedener Hotels, Restaurants, Bars und Après-Skis.

Der Katalog zur Sonderausstellung (italienisch/deutsch) ist im Touriseum erhältlich.

Gleichzeitig ist im Touriseum auch in diesem Jahr wieder die Sonderausstellung “À la carte! Die Geheimnisse der Speisekarte” zu sehen.

 

Öffnungszeiten

1. April bis 31. Oktober:
von 9.00 bis 19.00 Uhr

1. November bis 15. November:
von 9.00 bis 17.00 Uhr

Freitags im Juni, Juli und August: 9.00 – 23.00 Uhr


2 Antworten zu Über die Ausstellung

  1. Pingback: Kellnerausstellung im Touriseum bei Meran « europäische ethnologie innsbruck

  2. Auch wir beschäftigen uns intensiv mit der Geschichte der Touristik.

    Klicken Sie rein und werden Sie zum Tourismusforscher.

    “Tourismusgeschichte darf nicht in Vergessenheit geraten” so der Vorsitzende des Arbeitskreis TourismusGeschichte (ATG) – Bayern.

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